Unsere Haut – ein Wunderwerk

Der Aufbau unserer Haut

Die Haut ist in drei Schichten aufgebaut. Von außen nach innen sind dies: die Epidermis (Oberhaut), die Dermis (Lederhaut) und die Subkutis (Unterhaut).

Die Epidermis

Die Epidermis (Oberhaut) ist die oberste Hautschicht, die aus wenigen Zelllagen besteht und nur 0,05 mm dick ist (Ausnahme: Handinnenflächen und Fußsohlen). Sie enthält keine eigenen Blutgefäße und wird durch Diffusion mit Nährstoffen aus den Gefäßen der Dermis versorgt. Die Epidermis besteht aus Hautzellen, die nach außen absterben und verhornen (Keratinozyten). Für die Wanderung von der untersten Basalschicht bis zum äußersten Keratinozyten in der Hornschicht braucht eine Zelle ungefähr 28 Tage (das entspricht einem Mondzyklus). Die Teilung der Keratinozyten ist ein streng regulierter und geordneter Prozess. Es treten immer nur einzelne Zellen aus der Basalschicht in den Zellzyklus ein. Insgesamt sind es aber so viele, dass sich die Epidermis ständig erneuern kann. Die wichtigste Aufgabe der Epidermis ist der Aufbau einer undurchlässigen Barriere, die aus Eiweiß-Lamellen (Keratinen) und Fetten (Lipide wie Fettsäuren und Cholesterin) besteht. Außerdem konzentriert sich in der Epidermis die Sensibilität der Haut. Wenn man sagt, die Haut ist ein sensibles Organ, dann bezieht sich das auf die äußerste Hautschicht. Viele freie Nervenendigungen ragen bis in die obersten Schichten der Epidermis, sozusagen bis direkt unter die Oberfläche. Außerdem befinden sich in der Verbindungszone zwischen Epidermis und Dermis zahlreiche sensible Sinneskörperchen, die das Empfinden für Temperatur, Druck, Vibration und andere Wahrnehmungen vermitteln.

Die Epidermis enthält außerdem Pigmentzellen (Melanozyten), die das schwarz-braune Pigment Melanin bilden und dieses an die Keratinozyten verteilen. Je nachdem, wie viel Melanin gebildet wird, ist der Hauttyp heller oder dunkler. Je dunkler ein Hauttyp ist, desto besser ist er vor den schädlichen Wirkungen der Sonnenstrahlen geschützt. Außerdem enthält die Epidermis Immunzellen (Langerhans-Zellen), die als äußerste Wachposten des Immunsystems die Oberfläche abtasten und als Reaktion auf Verletzungen, Infektionen oder Chemikalien (Allergene) eine Immunreaktion auslösen können. Die Langerhans-Zellen können aus der Epidermis auswandern und über die Lymphbahnen in die Lymphknoten gelangen, wo sie mit den Immunzellen aus dem Blut in Kontakt treten.

 

 

Die Dermis

Die Dermis (Lederhaut ) ist ein straffes Bindegewebe, das neben vereinzelten Zellen (Fibroblasten) aus kollagenen Fasern, elastischen Fasern und einer wasserspeichernden extrazellulären Matrix besteht. Die Dermis verleiht mit ihren Fasern der gesamten Haut Elastizität und Reißfestigkeit. Zwischen die Fasern eingelagert ist ein wasserspeicherndes Gel, das im Wesentlichen aus Hyaluronsäure besteht. Diese extrazelluläre Matrix verleiht der Haut ihren Turgor, das heißt ihre Spannkraft. In der Dermis verlaufen außerdem Blutgefäße und Lymphgefäße. Im unteren Bereich (unterer Gefäßplexus) sind die Gefäße etwas größer, im oberen Bereich (papillärer Gefäßplexus) sind die Gefäße kleiner und bilden Schleifen, die bis in die zapfenförmige Verbindung mit der obersten Hautschicht (Epidermis) hineinragen. Über die Gefäße der Lederhaut kann die Haut sehr schnell auf veränderte Außentemperaturen reagieren – ist es kalt, ziehen sich die Gefäße zusammen, um Wärmeverlust zu vermeiden, ist es heiß, erweitern sich die Gefäße, um Wärme aus dem Blut nach außen abzugeben. Die meisten Entzündungen der Haut nehmen von den Blutgefäßen der Dermis ihren Ausgang, oft sind die Gefäße selbst von der Entzündung betroffen. Aus den obersten Kapillarschleifen werden Nährstoffe und Wachstumsfaktoren abgegeben, die durch die Basalmembran nach oben in die Epidermis diffundieren und dort die äußersten Hautzellen, die Keratinozyten, versorgen.

 

Die Subkutis

Die Subkutis (Unterhaut) enthält das Fettgewebe und größere Blutgefäße. Im oberen Bereich und im Übergang zur Lederhaut befinden sich die Drüsenkörper der Schweißdrüsen und der Talgdrüsen sowie die Haarfollikel. Die Subkutis ist ein Energiereservoir, ein Wärmespeicher (das Fett isoliert), und sie stellt mit ihren Blutgefäßen die Versorgung der oberen Hautschichten sicher. Ausserdem zeigt die neueste Forschung, dass das Fettgewebe verschiedene Hormone produzieren kann.

 

Aufgaben der Haut

Die Haut hüllt den ganzen Organismus ein und schützt uns vor dem Verlust von Flüssigkeit nach außen. Bis zu einem gewissen Grad ist die Haut auch ein Ausscheidungsorgan. So werden über den Schweiß Salze (Kalzium- und Magnesiumsalze), stickstoffhaltige Verbindungen (Ammoniak, Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin, Aminosäuren und Eiweiß), und über die Talgdrüsen Fette nach außen abgegeben. Die ausgeschiedenen Stoffe tragen zur Ausbildung der Hautbarriere bei. Die zusätzlich abgegebenen antibakteriellen Wirkstoffe halten die Besiedlung der Hautoberfläche mit Keimen in einem gesunden Gleichgewicht. Die Haut ist ein sensibles Organ und spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung der Umwelt. Die Haut schützt uns vor schädlichen Wirkungen der Sonneneinstrahlung, hilft uns, die Körpertemperatur fein zu regulieren und formt unsere individuelle Oberfläche.

 

Die Haut im Lebenslauf

 Junge Haut ist prall, elastisch und voller Entwicklungsmöglichkeiten, man denke nur an die zarte, glatte Haut von Babys. Mit dem Heranwachsen und der verstärkten Aktivität der Hormondrüsen in der Pubertät kann es zum Auftreten einer Akne kommen, die sich aber in der Regel nach ein paar Jahren wieder zurückbildet. Mit zunehmendem Alter prägen seelische Einflüsse und die Persönlichkeit vor allem die Haut im Gesicht. Mimische Falten wie Lachfalten und Sorgenfalten prägen sich stärker ein. Die Regerationsfähigkeit und die Durchblutung der Haut lässt nach, und die äußeren Einflüsse, vor allem das Sonnenlicht, tragen zu einem Abbau des Bindegewebes bei, so dass die Haut langsam immer faltiger und schlaffer wird.

 

Ganzheitliche Sicht der Haut

Die Haut ist nicht nur eine mechanische Hülle, die uns von der Außenwelt isoliert. Wie bereits erwähnt, ist sie ein sensibles Organ, das uns die Reize und Einflüsse der Außenwelt sehr differenziert wahrnehmen lässt. Die Haut ist aber auch ein Spiegel innerer seelischer Vorgänge, die sich z.B. im Erröten und Erblassen zeigen. Bei Schreck bricht einem der Schweiß aus, oder es stehen einem die Haare zu Berge. Früher wurden vielfältige Beziehungen der inneren Organe zur Haut beschrieben. Auch die moderne Dermatologie kennt Hautkrankheiten, die Ausdruck innerer Erkrankungen sind. Bekannte Beispiele sind z.B. das Entstehen sogenannter Gefäßspinnen (Spider-Naevi) bei der Leberzirrhose. Bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse kann es zu einer Entzündung des Fettgewebes kommen, da fettverdauende Enzyme bis in die Haut gelangen. Werden bestimmte Abbauprodukte des Blutes (Porphyrine) nicht vollständig abgebaut oder ausgeschieden, kann es zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut kommen. Manche Hautkrankheiten können ein Hinweis auf Krebserkrankungen im Körper sein. Deshalb ist es wichtig, Hauterkrankungen nicht isoliert, vom übrigen Körper losgelöst, zu betrachten, sondern immer den ganzen Menschen im Blick zu behalten.

 

Hautpflege hält die Haut gesund

Die Hautpflege spielt in der heutigen Zeit eine sehr große Rolle. Nie standen so viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die Haut differenziert und spezifisch zu pflegen. Die Hautpflege hat zum Ziel, die natürliche Funktion der Haut zu unterstützen, oder bei gestörter Funktion, z.B. bei trockener Haut, dies auszugleichen. Hautpflege kann eine vorbeugende Wirkung bei bestimmten Hauterkrankungen haben. Dies spielt vor allem bei Neurodermitis eine Rolle, weil die Haut bei Menschen, die zu einer Neurodermitis neigen, anlagebedingt zu wenig Eiweiße und Lipide bildet. Die Barriere der Epidermis wird nicht vollständig aufgebaut, und es geht deshalb zu viel Feuchtigkeit verloren. Deshalb neigt die Haut von Menschen mit Neurodermitis zu ausgeprägter Trockenheit, was zu Juckreiz und Entzündungen führen kann. Eine gute Hautpflege bei Neurodermitis kann deshalb Austrocknung, Juckreiz und auch Entzündungen verhindern. Ebenso kann Hautpflege der Austrocknung durch häufiges Duschen und Waschen vorbeugen. Eine geeignete Hautpflege mit Aktivstoffen und Antioxidantien kann wahrscheinlich die Hautalterung verzögern und der Entstehung von Pigmentflecken und Falten vorbeugen. Allerdings dürfen die Möglichkeiten, die natürlichen Alterungsprozesse der Haut aufzuhalten, nicht überschätzt werden. Eine besonders wichtige Rolle für die Pflege der reifen Haut spielen pflanzliche Wirkstoffe (pflanzliche Kosmetik). Vor allem Antioxidantien stellen einen Schutz vor der äußeren Hautalterung dar. Das Sonnenlicht erzeugt aggressive Sauerstoffradikale und oxidativen Stress, die zu einem Abbau des Bindegewebes und zu chronischen Entzündungen führen können. Antioxidantien können in Form von sekundären Pflanzenstoffen wie Gerbstoffen, Flavonoiden und als Vitamine von außen zugeführt werden.

 

Ernährung für eine gesunde Haut

Wichtig für eine gesunde Haut ist eine ausgewogene Ernährung, die reich an Antioxidantien ist. Aus dermatologischer Sicht ist reichlich Gemüse und Obst, mit wenig tierischem Fett und wenig raffinierten Nahrungsmitteln empfehlenswert. Auch Vegetarier können eine gesunde Haut haben, wenn sie ihren Eiweiß-Bedarf aus pflanzlichen Quellen decken. Bei einer abwechslungsreichen Ernährung sind in der Regel keine zusätzlichen Nahrungsergänzungsmittel notwendig. Diese erfreuen sich jedoch zunehmender Beliebtheit. Vor allem Antioxidantien werden in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt. Ob die regelmäßige Zufuhr von Antioxidantien und Spurenelementen die Hautalterung verlangsamen kann, ist bisher wissenschaftlich kaum untersucht. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass der Antioxidantien-Vorrat der Haut regelmäßig aufgefüllt wird. Dies hält unsere Haut vital und hilft ihr, schädliche Umwelteinflüsse durch Sauerstoffradikale zu neutralisieren.

Nahrungsmittel können aber auch Auslöser bestimmter Hauterkrankungen sein. Die Unverträglichkeit von Gluten (ein Eiweiß aus Getreide) kann zu Juckreiz und Hautausschlägen führen. Bei der Akne gilt es als erwiesen, dass Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index (Zucker, bestimmte Milchprodukte und Fette) über hormonelle Wechselwirkungen zu einer Verstärkung der Akne führen können. Bei der Schuppenflechte (Psoriasis) besteht oft ein sogenanntes metabolisches Syndrom mit Übergewicht, Diabetes mellitus und Bluthochdruck. In Hungerzeiten waren die Menschen mager und die Schuppenflechte war sehr selten. Dazu passt, dass in Ländern, in denen Übergewicht häufig vorkommt (z.B. die USA) die Schuppenflechte mehr als 3 x so häufig vorkommt wie in Ländern, in denen Übergewicht bisher eine geringe Rolle spielt (z.B. Japan, Südeuropa). Scharfe Gewürze und histaminreiche Nahrungsmittel können zu Gefäßerweiterungen, verstärkter Schweiß- und Talgproduktion führen, was z.B. bei Akne und Rosacea ungünstig sein kann. Im Allgemeinen wird der negative Einfluss der Ernährung auf Hautkrankheiten jedoch überschätzt. Echte Nahrungsmittel-Allergien sind recht selten und treten vor allem bei Atopikern auf, die Antikörper gegen Bestandteile von Nahrungsmitteln bilden. Dabei gibt es oft Kreuzreaktionen mit Pollen oder im Pflanzenreich sehr weit verbreiteten Allergenen.